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Gut 90 Prozent des Umsatzes macht die Waldgaststätte Rübezahl mit Erlebnisaktionen. Die erfolgreichste ist der „Germanenspaß“ – hier wird Inhaber Nikolaus Lallensack zu Hermann dem Cherusker.
Höxter. Wache Augen, weißer Rauschebart, buschige Augenbrauen: So wie man sich Hermann den Cherusker vorstellt, sieht Nikolaus Lallensack aus. Was wichtig ist! Denn der Germanenführer steht im Mittelpunkt eines äußerst erfolgreichen Erlebnisprogramms der Waldgaststätte Rübezahl in Höxter-Albaxen – dem „Germanenspaß“. Gerade ist eine 20-köpfige Kegelgruppe zu Gast und wird von Lallensack bzw. Hermann begrüßt: „Wir, Hermann, Fürst von Wotans Gnaden, geruhen euch einzuladen, mit uns germanische Kampfspiele zu erleben.“ Auf dem Kopf einen Flügelhelm, an den Füßen Gamaschen, prostet er seinem Volk mit einem Horn voller Met zu, stimmt sodann auf dem Akkordeon das „Germanenlied“ an. Keine Frage, der 63-Jährige hat große Freude daran, für mehrere Stunden zum Cherusker zu werden.
Neben dem Germanenspaß finden in der Waldgaststätte Hüttenabende mit Live-Musik sowie Kaminnachmittage für Senioren statt. Die Organisation der Veranstaltungen, die es seit gut 15 Jahren gibt, ist Routine. „Ein Klacks“, wie der 63-Jährige sagt. Als Personal reichen ihm Koch und Küchenhilfen sowie bis zu vier Service-Mitarbeiterinnen, wenn alle 100 Plätze belegt sind. Zudem sitzt die Familie mit im Boot: Frau Eva packt an, wenn es brennt, Sohn Marius stellt auf der Blockhaus-Bühne seine Gitarrenkünste unter Beweis, Sohn Jens hat die Homepage optimiert. „Wenn man jetzt bei Google `Waldgaststätte´ eingibt, stehen wir ganz oben“, zeigt sich Lallensack beeindruckt. Unterdessen ist beim Germanenspaß das Bogenschießen beendet. Nun geht es mit dem Kampfwagen zum Speerwerfen, dann zum Keulenweitwurf. Die Hauptattraktion ist jedoch der Cherusker selbst: Mit Sprüchen am laufenden Band unterhält Lallensack die Gäste, lässt einen Knecht für sich schuften, hat eine Thusnelda auserkoren, die ihm nun gefälligst noch ein Met holen möge. Später wird der Sieger mit einem „Trete er hervor und lege sich auf die Bärenhaut“,zur Siegerehrung gerufen und mit Schwertstreich und Urkunde in den Kreis der alten Germanen aufgenommen. Anschließend wird gespeist: „Cheruskerfleisch“ (Wildschweinkessel mit Salat und Zwiebelbrot.) Dazu gibt es Bier der Eigen-Marke Rübezahl-Bräu: Rübezahl-Bio-Pilsener, Rübezahl-Bio-Dunkel und Rübezahl-Bio-Weizen vom Fass.
Die Manager-Formulierung „Preise anpassen“ zeigt, dass der 63-Jährige nicht nur den Hermann, sondern auch den Geschäftsmann geben kann. So nimmt er sich auch Zeit für Marketing, wirbt auf Messen (bei denen er ob seiner Aufmachung stets im Mittelpunkt des TV-, Radio- und Zeitungsinteresses steht), druckt 30.000 Flyer pro Jahr, veranstaltet mehrtägige Clubreisen, bei denen die Rübezahl-Aktionen um Stadtführungen, Radtouren, Dampferfahrten oder Kanutouren ergänzt werden. „Für welche Rubrik ist das hier eigentlich?“, fragt Lallensack zum Abschluss. Ideenbörse. „Aha, wäre ja schön, wenn ich andere inspirieren kann“, sagt er – fügt aber schnell hinzu: „Es wird nicht funktionieren, unser Konzept 1:1 zu kopieren.“ Dafür stecken zu viele Jahre Arbeit in der Waldgaststätte. Was hingegen jeder Gastronom machen könne, dem ein ähnliches Angebot vorschwebt: „Authentisch sein!“ Nichts dürfe aufgesetzt sein, man müsse selbst Spaß an einer Aktion haben, sagt Nikolaus Lallensack. „Dann klingelt auch die Kasse.“ Alexander Schmolke |